Ortschronistentagung 2026 in Güstrow
Fachtagung für Ortschronistinnen und -chronisten des Landkreises Rostock - Austausch, Impulse und neue Perspektiven (Programm)
Am 28. März 2026 fand im Kreistagssaal des Landratsamtes in Güstrow bereits zum zehnten Mal die Fachtagung für Ortschronistinnen und -chronisten des Landkreises Rostock statt. Rund 60 Teilnehmende waren der Einladung gefolgt. Darunter auch wieder viele Mitglieder unseres Vereins. Die Jubiläumsveranstaltung wurde von der Stiftung Mecklenburg in bewährter Weise hervorragend organisiert und in Zusammenarbeit mit dem Verein für mecklenburgische Familien- und Personengeschichte und dem Landkreis Rostock ausgerichtet. Durch das Programm führte Dr. Reno Stutz, der mit sachkundiger und angenehmer Moderation wesentlich zum Gelingen der Tagung beitrug.
Zur Eröffnung begrüßte Dr. Florian Ostrop die Teilnehmenden und würdigte das zehnjährige Bestehen der Tagungsreihe an diesem Ort. In seinem anschließenden Grußwort erinnerte Dr. Anselm Pell vom Kreisarchiv an die Entwicklung der Chronistenarbeit seit der DDR-Zeit. Während früher eine verpflichtende Chronikführung durch den Landkreis vorgesehen war, hat sich die Situation nach 1990 grundlegend verändert. Dennoch unterstützt das Kreisarchiv die Ortschronistinnen und -chronisten weiterhin, etwa durch die Bereitstellung und Übernahme von Archivmaterialien und fachliche Beratung. Auch unser Vereinsvorsitzender Andreas Parlow richtete ein Grußwort an die Anwesenden.
Einen spannenden Einblick in moderne Arbeitsmethoden bot der Vortrag von Dr. Gunther Viereck (Universität Rostock) zur KI-gestützten Erkennung historischer Hand- und Druckschriften. Während gedruckte Texte inzwischen zuverlässig per OCR erkannt werden können, stellt die Handschriftenerkennung (HTR) weiterhin höhere Anforderungen. Deutlich wurde, wie wichtig die Qualität der Digitalisate ist – empfohlen werden Auflösungen von 300 bis 600 dpi sowie verlustfreie Dateiformate wie TIFF oder PNG. Vorgestellt wurden unter anderem die Plattform „Transkribus“ sowie alternative KI-Anwendungen. Auch Fragen des Datenschutzes spielten dabei eine wichtige Rolle. Der Vortrag kann aktuell unter https://t1p.de/7whkh herunter geladen werden.
Im Anschluss widmete sich Dr. Axel Lubinski der Kirchen- und Pastorengeschichte Cammins. Anhand konkreter Quellen zeichnete er das Wirken von Pastor Lorenz Heinrich Berner im 18. Jahrhundert nach und beleuchtete die Auseinandersetzungen zwischen pietistischen und orthodoxen Strömungen. Dabei wurde deutlich, wie eng kirchliche, soziale und wirtschaftliche Aspekte miteinander verflochten waren.
Ein Überblick über die Grundsätze des Urheberrechts durch Jan Kessel zeigte auf, welche rechtlichen Rahmenbedingungen des Urheberrechtes für die Arbeit der Chronisten zu beachten sind. Dabei wurde auch auf Unterstützungsangebote, etwa durch die Ehrenamtsstiftung, hingewiesen.
Am Nachmittag stellte Prof. Dr. Manfred Füting die Entstehung der neuen Jubiläumschronik von Petersdorf (bei Malchow) vor und gab Einblicke in seine Arbeitsweise sowie in die Herausforderungen bei der Auswertung historischer Quellen. Einen besonders anschaulichen Beitrag lieferte Siebo Woydt aus Langhagen, der unter dem Titel „Wie Pferdediebe Langhagen in zwei Tagen um 59 Jahre älter machten“ die spannende Spurensuche zur Ortsgeschichte und insbesondere zur Ersterwähnung des Ortes schilderte.
Den Abschluss bildete ein offener fachlicher Austausch, bei dem eigene Projekte vorgestellt und Erfahrungen geteilt wurden. Dabei wurde unter anderem die Chronik von Groß Nemerow und die im Hinstorff-Verlag erschiene Bildchronik Mecklenburg und Vorpommern präsentiert.
Die Tagung zeigte einmal mehr, wie lebendig und vielfältig die Arbeit der Ortschronistinnen und -chronisten ist. Sie bot nicht nur wertvolle fachliche Anregungen, sondern auch Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung.
(Text und Foto: A. Adam)